Hallo Schwesterherz, es kommt mir vor als wäre es eine Ewigkeit her, als ich dich das letze Mal sah. Ich war gerade malein Meter und ein bisschen, aber war von Kopf bis Fuß von deiner Stärke beeindruckt. Immer als wir am Samstagmorgens mit unserem Dad zusammen zur Arbeit gegangen sind. Ich weiß noch wie wichtig die Arbeit war, die wir machten. Als wären ohne uns alle Leute aufgeschmissen. Für mich warst du die stärkste Frau der Welt, denn du tatest diese schwere Arbeit mit allem was du hattest. Erinnerst du dich noch?
Und als du damals zu mir sagtest, dass ich auch irgendwann einmal genauso werden würde wie du? Meine Arbeit genauso gern tun werde wie du? Damals war es mein Traum so zu werden, wie du es einmal warst. Anderen Menschen helfen, und keinerlei Gegenleistung dafür zu erwarten, als sei es aus reiner Selbstverständlichkeit. Und das ich mich genauso wie du immer in die Arbeit stürzen werde später einmal, als gebe es kein Morgen mehr. Diese Vorhersage trifft eindeutig auf mich zu und es hat mich schwer beeindruckt, dass du Recht behalten hast.
Und als du mir gesagt hast, dass Geld nur Papier ist. Weißt du, ich habe mittlerweile das Mittlere Alter erreicht und endlich begriffen, was du mir damals sagen wolltest. Vor so vielen Jahren. Jetzt verstehe ich es endlich. Es ist nicht alles, was im Leben zählt, dennoch habe ich mein Leben anders gelebt, wie du es vielleicht dir gerne vorgestellt hättest. Ich wünschte nur ich hätte mehr für dich tun können, ich wünschte ich hätte mehr Zeit gehabt, wie dem auch sei.
Der Grund warum ich mich bei dir nach so vielen Jahren melde ist der, dass ich im Moment ne schwere Zeit durchmache. Ich habe ein Versprechen abgegeben. Hab jedoch Angst es nicht halten zu können. Ich habe einer Familie versprochen, den Mörder Ihrer Tochter zu finden. Ich schwur es bei meiner Seligkeit. Eigentlich unmöglich. Keine Spuren. Keine Anhaltspunkte. Nur forsten im dunklen Wald. Trotzdem gab ich aus Angst und Überforderung mit der Situation, mein Versprechen ab. Du kennst mich Schwesterherz. Ich halte immer meine Versprechen. Nur dieses Mal habe ich Angst, es nicht halten zu können.
Ich weiß du fragst dich gerade sicherlich warum ich das tat, aber wenn du einem Vater und einer Mutter in die Augen schauen musst, während du ihnen gerade mitteilst, dass die eigene Tochter ermordet wurde, dann tätest du bestimmt das gleiche. Diese Hilflosigkeit, die der Vater erlitten haben muss in diesem Moment. . . Diese Hilflosigkeit hatte ich auch. Somit gab ich mein Versprechen, um die Situation so erträglich wie möglich zu machen. Ich hätte auch tröstliche Worte finden können, nur ich war wie gelähmt. Ich schäme mich dafür und habe Schuldgefühle, weil ich diese Nachricht den Eltern so kalt entgegenbrachte.
Es gab in meinem Leben schon mehr als genug bewegende Momente und an den meisten Menschen zieht das Leben einfach vorüber, während sie damit beschäftigt sind, grandiose Pläne zu schmieden.
Überall, all die Jahre habe ich hier und dort Stücke meines Herzens gelassen und jetzt ist kaum noch genug davon übrig um weiter zu leben. Doch ich zwinge mich zu lächeln, denn ich weiß, dass mein Ehrgeiz mein Talent bei weitem übertrift und ich diesen Mörder finden muss. Koste es was es wolle. Und wenn ich dabei noch mehr meines Herzens verlieren muss, so tat ich am Ende doch meinen Job, genau wie du damals.
Ich vermisse dich . . .
In Liebe Matthäi.
(Serbo)